Jetzt  ist es Eure Chance!

Nur noch wenige Tage bis zur Kommunalwahl: Die Spannung auf das Ergebnis steigt, und die Anspannung des Wahlkampfs fällt langsam ab. Noch ein Termin am Samstag beim Nahkauf – noch einmal die Beine in den Bauch stehen, freundlich schauen, geduldig zuhören, ebenso geduldig erklären. Nur keine großen Volksreden mehr, denn die möchte niemand mehr hören.

Der Wahlkampf war für mich eine schöne, aber auch anstrengende Zeit. Ich hatte mit starkem Gegenwind gerechnet: mit skeptischen Bürgerinnen und Bürgern, die zu Recht kritisch hinterfragen, warum ich – und wir als FDP – einen Wechsel und einen neuen Stil wollen. Mit Fragen, was ich mir einbilde, mit 63 Jahren einen Amtsinhaber herauszufordern, der noch mitten in seiner politischen Laufbahn steht. Auf Kopfschütteln und Ablehnung. Darauf war ich eingestellt.

Doch es kam komplett anders. Viele Mitbürgerinnen und Mitbürger haben mich ermutigt und mir sinnbildlich auf die Schulter geklopft. Einige boten sogar an zu spenden oder Flyer zu verteilen. Da war ich wirklich baff, und es hat mich sehr berührt. Die Argumente und Moves, die ich mir zurechtgelegt hatte, um harte Kritik zu kontern, konnte ich fast komplett einpacken. Und meine Sorge, nicht jede Frage zu kommunalpolitischen Themen beantworten zu können, war unbegründet: Offen zuzugeben, dass man etwas nacharbeiten muss, kommt besser an als schlecht vorbereitete Vorträge.

Egal wie es ausgeht: Ich fühle mich jetzt schon wie ein moralischer Gewinner. Die letzten Wochen haben sich gelohnt und waren für mich eine echte Bereicherung.

Aber jetzt seid Ihr dran!  Es ist Eure Chance durch eine Wahl etwas zu verändern!

Versprochen: Klartext  sprechen!

Besonders stolz bin ich darauf, ein Versprechen zumindest ein Stück weit eingelöst zu haben: Klartext zu sprechen.

Das ist nicht einfach, denn Klartext ist riskant. Zu viel davon und ein falscher Ton können aus berechtigter Kritik schnell aggressives Wutbürgertum machen. Zu wenig Klartext (oder gar keiner) macht einen Wahlkämpfer hingegen zu einer lächelnden Figur, die Ein-Euro-Werbegeschenke verteilt und außer Slogans keine Botschaft hat.

Weil ich Letzteres auf keinen Fall sein wollte, bin ich bewusst ins Risiko gegangen und habe offen angesprochen, was viele Menschen beschäftigt, mit denen ich gesprochen habe. Vor allem eines: Wie soll man die Notwendigkeit eines neuen Stils erklären, ohne auch über den bisherigen Stil zu sprechen?

Natürlich gefällt das nicht jedem – besonders nicht denen, die sich hinter einer Fassade aus Einstimmigkeit und künstlicher Harmonie eingerichtet haben. In solchen Umfeldern sind die ehrlichen und hilfsbereiten Menschen oft die Dummen. Und das gefällt mir überhaupt nicht. Für mich gilt: Wenn sich eine Wahrheit klebrig oder schmutzig anfühlt, liegt das meist an der Wahrheit – nicht daran, sie auszusprechen.

Mit weniger Ressourcen mehr erreichen

Slogans wie „Bewährtes behalten und Neues wagen“ verwende ich nicht gern. Viele verstehen das als „Weiter so!“, und den zweiten Teil nimmt man ihnen oft nicht ab.

Trotzdem entspricht der Gedanke in gewisser Weise meiner Haltung: Was gut läuft, kann weiterlaufen. Aber das „Wagen“ meine ich absolut ernst.

Denn die Welt um uns verändert sich – und damit auch unsere eigene. Wir können vielleicht noch einige Jahre mit den vorhandenen Ressourcen weitermachen, mit unserer Zeit, unserem Personal und unserem Geld. Aber ewig geht das nicht. Wenn die Boomer-Generation in Rente geht, weniger Steuern zahlt, älter wird und neue Bedürfnisse hat, wird das die Kommunen spürbar treffen.

Wir müssen daher rechtzeitig lernen, mit weniger Ressourcen mehr zu erreichen, damit die Generationen meiner Kinder und meiner Enkel gut durch diese Zeit kommen. Das schaffen wir nicht mit einem „Weiter so!“.

Und zuletzt: Dieses Lernen wird anstrengend und mit Verzicht verbunden sein. Das gelingt nur mit einer Bürgerschaft, die sich beteiligen darf und wertschätzend behandelt wird. Oder ganz einfach gesagt: Wir können keine Sparprogramme verordnen und gleichzeitig immer mehr Papierkram und Vorschriften aufladen. Wir müssen alle lernen – und das können wir nicht immer nur von anderen erwarten.