Kneift Merzbacher? Und wenn ja: Warum?

Am Donnerstag, 12. Februar 2026, um 18:30 Uhr in der Scheune hinter der Spezerei findet eine Veranstaltung statt, die ursprünglich als angenehme Podiumsdiskussion der beiden Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Gundelsheim gedacht war. Nach dem aktuellen Stand aber ohne den Amtsinhaber – denn der ziert sich.
Eine entsprechende Ankündigung im letzten Gemeindeblatt hat er kraft Amtes gestrichen*. Deshalb mussten wir im aktuellen Gemeindeblatt zu einer normalen Diskussionsveranstaltung einladen. Ich persönlich finde es bemerkenswert, dass ein Bürgermeister in den Veranstaltungshinweisen anderer Parteien herumstreicht. Aber geschenkt.
Eigentlich ist eine Podiumsdiskussion keine große Sache: Zwei Kandidaten sitzen auf einem Podium, diskutieren unterschiedliche Auffassungen über Gott und die Welt im Allgemeinen und die Kommune im Besonderen. Eine Moderation sorgt dafür, dass alles geordnet abläuft. Dazu braucht es nur noch einen Raum, damit niemand friert.
Eigentlich ganz einfach – oder?
Ich bin politisch absolut geländegängig und gehe gelassen mit Kritik, Emotionen und Vorwürfen um. Deshalb habe ich keinerlei besondere Anforderungen an solche Veranstaltungen – außer der, dass sie überhaupt stattfinden. So dachte und denke ich.
Doch bei uns ist das eine laaaaange Geschichte. Zunächst hörten wir über viele Ecken, der Amtsinhaber – Jonas Merzbacher – treffe sich grundsätzlich nicht mit Vertretern von Splitterparteien. Gemeint waren wir, die FDP. Wir haben das dann so hingenommen. Eine Podiumsdiskussion beider Bürgermeisterkandidaten hätte den Menschen vor Ort zwar wirklich etwas gebracht. Aber wenn er nicht will, dann eben nicht.
Doch plötzlich kam aus dem Nichts die Bereitschaft, sich doch auf ein solches Format einzulassen. Sogar ein Live-Streaming wurde gewünscht. Echt!? Druck der Community? Oder wollte man nicht als der Kneifer dastehen? Egal – wir mögen bitte etwas Ausgearbeitetes vorlegen, zu dem er dann erscheinen könne, hieß es. Also haben wir geliefert. Und dann fing es an:
Nichts war gut genug. Eine gute Moderation in kurzer Zeit zu finden, ist schwierig. Also schlug ich ein Moderatoren-Duo vor: einer von uns, einer von ihm bzw. der SPD. Auf gar keinen Fall, hieß es. Dann vielleicht ein Moderator aus seinem Lager? Ebenfalls auf keinen Fall. Praktikable Vorschläge von seiner Seite: keine. Schließlich fanden wir einen Moderator, der neutral genug erschien und akzeptiert wurde.
Dann ging es um Raum und Veranstalter. Eigentlich Formsache: Parteien steht in der „Scheune“ in Gundelsheim ein kostenfreier Veranstaltungstermin vor der Wahl zu. Also gibt es drei mögliche Veranstalter: FDP, SPD oder beide. Klingt logisch – oder?
Aber nein: Auf gar keinen Fall gehe man zu einer Veranstaltung der FDP! Auch nicht ohne Deko, ohne Farben, mit neutraler Moderation und neutraler Ankündigung. Dann vielleicht die SPD als Veranstalter? Auf keinen Fall: Dann würde ja ein FDP-Mensch auf einer SPD-Veranstaltung auftreten – ein freidemokratischer Antichrist bei der sozialdemokratischen Eucharistie! Gemeinsam? Auf keinen Fall, das sei undemokratisch und führe die Wähler in die Irre.
Trotz eines politikwissenschaftlichen Studiums kenne ich keine Regel, die solche Veranstaltungen im Wahlkampf verbietet. Wir hätten Herrn Merzbacher ja nicht eingeladen, um für mich Werbung zu machen, sondern damit er seine Meinung vertreten kann - auf einer absolut neutralen Diskussionsveranstaltung. Also gut: ein neutraler Veranstalter. Aber auch da ein Haken: Nur Parteien dürfen im Kommunalwahlkampf kostenlos kommunale Räume nutzen. Ein neutraler Veranstalter müsste zahlen – Raummiete, Technik, Tontechnik. Und die Gemeinde ruft dafür stattliche Preise auf.
Am Ende war alles unter Dach und Fach inklusive eines remommierten Moderators. Doch gerade an der läppischen Kleinigkeit, der reinen Formalität des Veranstalters ließ der Amtsinhaber seine Bereitschaft zur Teilnahme am Ende abblitzen.
Wer will und viel Geduld hat, kann sich das gerne von anderer Seite erklären lassen, warum man sich nur unter ganz bestimmten Bedingungen mit Leuten wie mir auf ein Podium setzt. Ich hatte dafür irgendwann keine Contenance mehr. Denn wie gesagt: Ich hatte und habe keinerlei Anforderungen!
Es ist schade, wenn die Interessen der Wählerschaft ignoriert werden. Für sie wäre es ein Gewinn gewesen, beide Kandidaten live zu erleben. Denn das ist wirklich gelebte Transparenz und Bürgernähe, wie wir sie uns alle die Wahlprogramme reinschreiben. Natürlich birgt das ein Risiko: Man kann das Publikum mit Parolen zuplaudern und denken, man habe einen guten Auftritt hingelegt. Man kann bei Kritik die Nerven verlieren und sich um Kopf und Kragen reden. Aber ist das nicht etwas, das man riskieren muss, wenn man (wieder)gewählt werden möchte?
Und nun? Wir führen die Veranstaltung wie geplant durch. Sollte Amtsinhaber Jonas Merzbacher das Bedürfnis haben, auf mich und interessierte Wähler zu stoßen, kann er gerne kommen. Ansonsten machen wir es uns gemütlich. Ich kann mir auch selbst ins Wort fallen oder mich aufs Schärfste kritisieren. Bekomme ich hin – und freue mich auf einen starken Townhall-Termin!
Donnerstag, 12. Februar, 18:30 Uhr – Scheune hinter der Spezerei
Ich bin da!
Videopost zu diesem Thema bei Youtube...
| * Achso: die Formulierung "gestrichen" dient dem Lesefluss: Streng genommen wurde der Veranstaltungshinweis nicht gestrichen, uns wurde mitgeteilt, der könne so nicht erscheinen, was auf's gleiche rausläuft. Aber wir wollen ja korrekt sein. |
